Lehrprobe im Sachunterricht?! – Geschafft!

(unbezahlte Werbung)
Meine Lehrprobe für eine 1. Klasse im Sachunterricht zu planen, fiel mir zunächst nicht so leicht! Das Thema der Unterrichtseinheit musste „Frühling“ sein, da das nächste Unterrichtsthema danach sich mal so überhaupt nicht für eine Prüfung eignete („Haustiere – Mäuse“— echte! Mäuse! Nein. Danke!).
Die naturwissenschaftliche Perspektive musste dabei im Mittelpunkt stehen,
weil ich Biologie studiert habe.
Also begann mein Brainstorming! Frühling…

Frühblüher – voll nicht-motivierend für diese Erstklässler
Singvögel – hmm, weiß auch nicht, nicht so meins!
Bäume – hmm, so ähnlich wie Frühblüher, also auch eher ummotivierend
Insekten – könnte gehen, aber untypisch für eine erste Klasse…. mal googlen…. und Kollegen fragen….
Kollegen: Insekten in der ersten Klasse?! Was? Was willst du denn da machen? Das ist doch zu schwer! Mach lieber Frühblüher! —– Ohhhh neeeee….
Beim Googlen bin ich dann über diese Riesen-Jumbo-Insekten einer amerikanischen Firma gestolpert und dachte: Hmm, damit könnte man etwas machen! Die sind ja ganz nett!
-Dreiteilung des Insektenkörpers, 6 Beine – alles ziemlich gut erkennbar! Beim Marienkäfer eher nicht, aber den könnte man ja weglassen.
 .
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-Also: Kann ich die auch in Deutschland kriegen?! Dank eines großen Online-Lieferanten: JA!!!! Kann ich. Die Preise schwanken zwar, aber wenn man den Artikel etwas beobachtet, kriegt man die tollen Insekten für ca. 25€. Das geht! Also wurden die Tierchen mal bestellt. Schön! Bis auf den Schmetterling, bei dem ich die Flügel durch etwas Erwärmung etwas aufklappen musste, waren alle Insekten tip-top!
Die Stunde wurde also geplant mit dem Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler die Dreiteilung des Körpers mit den richtigen Fachwörtern und die 6 Beine benennen können. Anschließend sollten sie ein Insekt entweder in Partnerarbeit oder alleine zeichnen und beschriften.
Der Ablauf der Stunde sah ungefähr so aus:
(Auf 6 Gruppentischen wurde 6 Insekten unter einer Dose versteckt. Die Kinder waren in 4er Gruppen aufgeteilt)
  1. Sitzkreis: Vorstellung des Themas: Wir sind Frühlingsdetektive und möchten heute 2 Sachen herausfinden: Was sind das für Tiere und was haben sie gemeinsam/Besonderes?
  2. Gruppenarbeit: Die Gruppen gehen auf ein akustisches Signal hin zu einem Gruppentisch, decken das Tier auf und betrachten es ganz genau. Dabei tauschen sie sich über ihre Vermutungen aus. (Akustisches Signal – Tischwechsel… Bis jedes Tier von jedem Schüler gesehen wurde.)
  3. Sitzkreis: Was ist dir aufgefallen? Die Merkmale der Insekten werden gemeinsam erarbeitet. Nennt das Kind den Alltagsbegriff, überlegen wir gemeinsam, wie der Fachbegriff lauten könnte. Anschließend lege ich passende Tipp-Karten zu den Begriffen in den Kreis.
  4. Partnerarbeit oder Einzelarbeit: Als Frühlingsdetektiv möchten wir das, was wir bis jetzt herausbekommen haben, nicht vergessen. Daher bekommst du jetzt einen wichtigen Auftrag: Zeichne das Insekt, bei dem du zuletzt warst, in der Seitenansicht und beschrifte es anschließend mit den Fachbegriffen.
  5. Würdigung der Zeichnungen
  6. Sitzkreis: Anwendungsaufgabe – Stummer Impuls – Poster der Biene Maja liegt mehrfach im Sitzkreis. Verbaler Impuls: Was ist das für ein Tier? Dass die Biene Maja nur 4 Beine und einen zweigliedrigen Körper hat, haben viele Kinder relativ schnell entdeckt.

In dieser Stunde, die bei den Prüfern sehr gut ankam, sind super Zeichnungen entstanden. Die Kinder waren Dank der Insekten und der Biene Maja super motiviert und konzentriert bei der Sache. Die Tipp-Karten wurden gerne genutzt. Beim nächsten Mal würde ich sie zusätzlich für jeden Gruppentisch im Kleinformat in einem Umschlag haben, da 1-2 Kinder auf die großen Tipp-Karten warten mussten.

Download: Tipp-Karten
Ausdrucken und auf Din A3 Papier kopieren, ausschneiden, wahlweise laminieren. Fertig.

Zusätzlich hatte ich noch diese ganz kleinen Insekten von Toob Safari Ltd. für eine Lesedose

Da mich einige Fragen erreicht haben, wie die Stunde im Detail aussah, ergänze ich nun (3.05.2017) einige Infos:

Didaktisch-methodische Überlegungen (Hamburg 2015)

Didaktische Überlegungen
Bildungsplanbezug

·   Frühling ist ein naturwissenschaftlicher Inhalt, der den SuS ein forschendes, entdeckendes Lernen durch Suchen, Sammeln, Ordnen, Forschen etc. ermöglicht (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg – BSB 2011, 16 f., 33). Auch macht es dieses Thema möglich, bei den SuS ein Wissenschaftsverständnis anzubahnen (ebd.).

·   Die SuS sollen in die Lage versetzt werden, Teile von Tieren mit Fachbegriffen zu beschreiben (vgl. ebd., 23; vgl. Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts 2002, 16 f.; naturwissenschaftl. Perpsektive). Dafür müssen sie die Insektenmodelle gezielt betrachten & beschreiben (vgl. Freie und Hansestadt Hamburg – BSB 2011, 25; perspektivenübergreifend).

Lerngruppenbezug

·   Insekten gehören zur Lebenswelt der Kinder und „[…] lösen bei Kindern eine große Faszination aus.“ (Gläser 2009, 4) Dennoch wissen viele Kinder nur wenig über die größte Tierklasse der Welt & was sie von den anderen Tierklassen unterscheidet (vgl. ebd.).

·   Die Klasse 1 äußerte den Wunsch, sich mit Tieren auseinanderzusetzen. Diese Stunde bereitet die SuS darauf vor, lebende Insekten mit Becherlupen näher zu betrachten.

·   Damit die SuS die Dreiteilung des Körpers & die drei Beinpaare der Insekten erkennen können, ist es im Sinne einer didaktischen Reduktion sinnvoll vom Modell zum Original zu gehen (vgl. Eschenhagen, Kattmann, und Rodi 1998, 46 ff.). In der anschließenden Unterrichtsstunde können die SuS ihr Wissen auf das Original übertragen.

Interessante, anschauliche o.ä. Aspekte des Lerngegenstands für die SuS

·   Generell: Erfragen der Vorerfahrungen & Interessen der SuS.

·   Aufgrund der vergrößerten Insektenmodelle, die eine verbesserte Betrachtung ermöglichen, kann es für die SuS interessant sein, sich näher mit dem Körperbau der Tiere zu beschäftigen.

Voraussetzungen seitens der SuS, die gegeben sein sollten

·   Die SuS müssen in der Lage sein, genau/gezielt zu betrachten.

Mögliche Schwierigkeiten der SuS in Bezug auf den Lerngegenstand

·   Das Zeichnen von betrachteten Objekten wird kontinuierlich in der Klasse 1 geübt. Dennoch besteht in dieser Aufgabe eine mögliche Schwierigkeit in der schematischen Zeichnung des Insekts in der Seitenansicht. Diese Kompetenz wird fortlaufend trainiert. Es besteht hier noch nicht der Anspruch auf eine fehlerfreie schematische Zeichnung.

Mögliche Leitfragen

·   Was sind das für Tiere? Was macht diese Tiere besonders? Was haben diese Tiere gemeinsam?

Indikatoren für Wissens- bzw.
Könnenserwerb

·   Die SuS benennen die Dreiteilung des Insektenkörpers & die 6 Beine.

·   Die SuS zeichnen ein Insekt in der Seitenansicht & beschriften es mit den richtigen Begriffen (Kopf, Brust, Hinterleib, Bein).

·   Die SuS finden & benennen die Fehler in der zeichnerischen Darstellung der Biene Maja als Insekt (Anwendung).

Methodische Entscheidungen
Wie rücke ich den Lerngegenstand in den Fragehorizont der SuS?

·   Nutzung einer Stundenfrage & zunächst verdeckte Insektenmodelle (Quizcharakter)

·   Die Nutzung von farbigen Modellen, die die SuS haptisch greifen können, ermöglicht einen zunächst eher spielerischen Zugang.

·   Das Poster der Biene Maja stammt aus der Lebenswelt der Kinder.

Welches Aufgabenformat ist sinnvoll?

·   Halboffene Aufgabe[1]: Betrachte die Tiere genau.

·   Geschlossene Aufgabe: Was haben diese Tiere gemeinsam?

·   UG: Abgleich & Korrektur der Ergebnisse der Betrachtung bzw. der Erkenntnisse, da die gezielte/genaue Betrachtung noch geübt wird.

Welche Methode, welche Arbeits- & Sozialformen sind für die Aufgabe funktional?

·   Verschiedene Insekten auf den Gruppentischen motivieren die SuS.

·   GA: In der Kleingruppe können erste Vermutungen geäußert werden.

·   PA: Gegenseitige Unterstützung bei der Herstellung einer schematischen Zeichnung

·   Plenum: Austausch über Vermutungen bietet die Möglichkeit des Abgleichs & der Korrektur.

Initiierung einer selbstständigen, aktiven & an den Kompetenzen anknüpfenden Auseinandersetzung aller SuS mit dem Lerngegenstand

·   Nutzung von halboffenen Aufgabenformaten

·   Nutzung von unterstützenden Sozialformen

·   Bereitstellung von den benötigten Fachbegriffen auf „Tipp-Karten“

·   Eine Anwendungsaufgabe wird optional angeboten (Sortieraufgabe: „Keine Insekten – Insekten“; Lesekiste „Insekten & Spinnentiere“)

·   Die SuS dürfen sich Materialien vom SU-Tisch nehmen & damit arbeiten.

·   AA sind ikonisch visualisiert.

Wie schaffe ich Beteiligung &
Mitwirkung?

·   Austausch in leistungsheterogenen Kleingruppen: bietet einen geschützten Raum für erste Vermutungen; kommunikative Aktivierung der SuS; bietet die Möglichkeit der Motivation von leistungsschwächeren SuS; ermöglicht das Lernen in Zonen der nächsten Entwicklung (vgl. Johnson, Johnson, und Holubec 2005, 40; vgl. Brüning und Saum 2008, 83 ff., vgl. Brüning et al. 2009, 37).

·   Zeichnung des Insekts in PA: die Partner können sich bei der Lösung der Aufgabe gegenseitig unterstützen (individuelle Förderung; Motivation)

·   Poster der Biene Maja bietet einen Lebensweltbezug & erhöht die Motivation

An welchen Stellen des Unterrichts ist die Einführung bzw. Einhaltung von Ritualen & Regeln nötig?

·   Stundeneinstieg/Stundenende: Unterricht startet & endet meist im Sitzkreis.

·   Stundeneinstieg: Transparenzkarten für den Unterrichtsverlauf an der Tafel

·   Gesprächsregeln während des UG & der GA/PA

Wie gestalte ich die

Phasenübergänge?

·   Phasen werden über den Stundenverlauf ikonisch an der Tafel transparent gemacht.

·   Klangschale als akustisches Signal oder das Klatschen eines Rhythmus zur Aufmerksamkeitsfokussierung

Wie sichern & reflektieren die SuS die erarbeiteten Ergebnisse/Zwischenergebnisse?

·   Nennung & Zeigen der Insektenmerkmale an einem Modell

·   Zeichnung & Beschriftung eines Insekts

·   Individuelles Feedback zur Zeichnung in der nächsten Unterrichtsstunde

·   Anwendung des Erlernten auf das Poster der Biene Maja

·   Reflexionsrunde: mithilfe der 3-Finger-Einschätzung wird der indiv. Lernprozess der SuS bedacht.

[1] Den Begriffen geschlossene, halboffene und offene Aufgabenformate werden die Definitionen des Bildungsservers Berlin-Brandenburg zugrunde gelegt. (vgl. Hattendorf o. J.)

Verlaufsplanung für eine Doppelstunde hänge ich als PDF an, da die Tabelle hier sonst sehr lang und klein wäre…

Verlaufsplanung Insektenstunde

Hier ein paar Kinderergebnisse, die wirklich toll geworden sind
(nicht alle wurden mit der Beschriftung fertig, aber das hatte ich im Entwurf bereits so vermerkt):

 

 

 

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9 Antworten auf „Lehrprobe im Sachunterricht?! – Geschafft!“

  1. Wowh!!! Die Zeichnungen der Kinder sind der Knaller! Auf der didacta habe ich bei einem Verlag auch "Gummi" Insekten (und menschliche Innereien aus dem Material) gesehen. Die Idee fand ich auch richtig gut. Deine Idee mit den Gruppentischen erinnert ja ein wenig an ein Gruppenpuzzle. Find ich prima.
    Verdienter Erfolg! 🙂

  2. Hallo! Die Insekten-Stunde finde ich toll. Ich verstehe nur den Einsatz der Tipp-Karten nicht ganz. Haben die Kinder die Dreigliedrigkeit selbst erkannt? Wie hast du gelenkt, wenn sie auf ganz andere Attribute gekommen sind? Vielen Dank für den Einblick und die Idee! Gruß, Silke

    1. Liebe Silke,
      Ich habe den Artikel noch um einige Infos (didaktisch-methodische Überlegungen, Verlaufsplanung) ergänzt. Vielleicht hilft das schon… Die Tipp-Karten habe ich in den Kreis gelegt, wenn die Kinder auf den Alltagsbegriff gekommen waren und wir dann gemeinsam überlegt hatten, wie der Fachbegriff lauten könnte. Sie hatten da kreative und auch logische Ideen, die dann wissenschaftlich benannt wurden.

      1. Liebe „Peanut“,
        vielen Dank für deine schnelle Antwort und deine umfassende Bereitstellung deiner Überlegungen und Notizen. Damit hätte ich in dem Umfang nicht gerechnet! Es hilft mir jedenfalls sehr weiter! DAAAAAAAAAAAAAANKEEEEEEEEEEEEEE!

  3. Hallo!
    Ich habe die Stunde nun auch gehalten und sie lief super! Die Kinder waren eifrig bei der Sache und hatten keine Scheu vor den Insektenmodellen. Schnell erkannten sie, dass es sich um Insekten handelt, die alle sechs Beine haben. Um auf die Dreigliedrigkeit zu kommen, zeigte ich Ihnen noch zwei längliche Luftballons, die ich aufgeblasen hatte. Einen hatte ich mit zwei Wollfäden noch so vorbereitet, dass er zwei Einkerbungen und damit drei „Körpersegmente“ hatte. Schnell erkannten die Kinder, welcher Luftballon zum Insektenkörper passt. Von den Zeichenergebnissen war ich auch sehr beeindruckt. Man darf Erstklässern echt etwas zutrauen. Danke nochmal!

  4. Vielen Dank für diese tolle Idee dieses Thema umzusetzen. Mich würde interessieren wie deine Unterrichtseinheit dazu aufgebaut war. War die Lehrprobenstunde die erste Stunde in der Einheit?

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